Auf meiner gewerblichen Website heißt es: „Wer wissen möchte wo er steht im Alltag, bei seinen Kollegen und Freunden und wissen möchte wie er seinen Stand im Leben verbessern kann, darf sich gern in meinem Beisein am Pferd ausprobieren. Es sind keine Kenntnisse rund ums Pferd notwendig. Das Training ist oft auch ohne viele Worte sehr aufschlussreich und macht den Teilnehmern immer sehr viel Spass. … .“
Personaltraining meint eine individuelle Betreuung im Verhältnis von 1 : 1. Hier steht nicht ein menschlicher Trainer gegenüber, sondern das Pferd. Es gilt zusammen mit dem Pferd einige Aufgaben zu bewältigen, die eine gelungene Kommunikation mit dem Pferd voraussetzen: Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.
Da das Pferd – abgesehen von einzelnen Kommandos – die Inhalte mündlicher Mitteilungen nicht versteht, ist eine Verständigung nur mittels Körperbewegung und -haltung, Gestik, Mimik, Blickkontakt und Tonfall möglich. Es geht demnach um die Kommunikation zwischen Reiter und Pferd. Eine solide Kommunikation ist nur möglich, wenn Reiter und Pferd eine gemeinsame Sprache aufgebaut und bestimmte Grundlagen erarbeitet haben. Signale des Reiters an das Pferd werden Hilfen genannt. Pferdegerechte Hilfengebung soll logisch, einheitlich, unmissverständlich, präzise und fein sein. Der richtige Zeitpunkt der Hilfengebung ist genauso wichtig wie das verständliche, logische Zusammenspiel der Hilfen. Widersprüchliche oder rein mechanische Hilfen verfehlen ihr Ziel und führen zu Missverständnissen zwischen Reiter und Pferd.
Im August 2012 ließ die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) in einer Studie der „decode Marketingberatung GmbH“ die Auswirkungen des jahrelangen Umgangs mit Pferden auf die Charakterbildung untersuchen: Die Attribute führungs- und durchsetzungsstark, naturverbunden, ehrgeizig, zielstrebig, belastbar, burschikos, strukturiert, begeisterungsfähig, gesellig, stabil, wettbewerbsorientiert und phantasievoll seien bei Reitern stärker ausgeprägt als bei Nicht-Reitern. Hingegen weniger ausgeprägt seien die Attribute still, schüchtern und ruhig sowie nervös, ängstlich und skeptisch. Der „Coach Pferd“ fördert – so die Hypothese – positive Charaktereigenschaften. Der enge Kontakt mit dem Tier erfordere ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen und Sensibilität für die feine Körpersprache der Pferde. Diese Fähigkeiten kämen Reitern im Umgang mit anderen Menschen zu Gute.
Im Alltag und im Berufsleben verlassen wird uns darauf, dass unsere sprachlichen (verbalen) Mitteilungen beim Gegenüber ankommen. Auf unsere Körpersprache achten wir zumeist nicht. Körpersprache ist eine wichtige Komponente unseres zwischenmenschlichen Verhaltens, die unsere Beziehungen – zumeist unbewusst – mitbestimmt. Die Körpersprache als nonverbale Kommunikation vermittelt Informationen auf der Beziehungsebene. Sie verrät viel über unsere Gedanken, Ängste und Wünsche. Unser Gegenüber trifft seine Entscheidungen – ob bewusst oder unbewusst – auch aufgrund der empfangenen nonverbalen Mitteilungen. Das Verhalten unseres Kommunikationspartners wird also nicht nur verstandesmäßig von verbalen, sondern ebensogefühlsmäßig von non-verbalen Mitteilungen abhängen. Körpersprache reguliert menschliche Beziehungen, erhält Machtstrukturen aufrecht und festigt die soziale Ordnung.
Non-verbale Mitteilungen müssen also zu unseren verbalen Äußerungen passen. Beide müssen logisch, einheitlich, unmissverständlich und präzise sein. Das aber ist gerade nicht immer der Fall. Da das Pferd komplexe Inhalte mündlicher Mitteilungen gar nicht verstehen kann, ist eine Verständigung mit ihm nur mittels non-verbaler Kommunikation möglich. Gelingt die non-verbale Kommunikation mit dem Pferd nicht, so werden die gestellten Aufgabe nicht oder nur zögerlich absolviert werden. Damit erfahren wir, dass es Widersprüche zwischen unserem verstandesmäßigen, sprachlich formulierbaren Wollen einerseits und andererseits unserer gefühlsmäßigen Vermittlung durch unsere Körpersprache gibt.
Es genügt zunächst, solche Widersprüche festzustellen. Über das Pferd gelangt der Mensch allerdings nicht zu einem qualifizierten Feedback zu seinem Verhalten, sondern nur darüber, ob das Pferd die Handlungen als Handlungsaufforderung verstehen konnte und verstanden hat. Es könnte sich lohnen, darüber nachzudenken, wie man sich bezogen auf die eigenen non-verbalen Mitteilungen im Alltag und im Berufsleben verhält. Dazu werden vielerorts Kurse angeboten, in denen ein menschlicher Coach das Pferd als Hilfsmittel verwendet. Ungeachtet möglicher Kritik zu pferdegestütztem Coaching, ist es für nahezu jeden eine Freude, wenn die Verständigung mit einem Pferd gelingt. Pferde sind nicht nur gute Beobachter. Sie haben ein feines Gehör und einen hervorragenden Geruchssinn. So werden Pferde bei ihnen unbekannten Menschen ihre Ohren spitzen und sie beschnüffeln. Solches Interesse und die Berührung durch das Pferd werden in entspannter Umgebung als intensiv und wohltuend wahrgenommen. Wer alleine oder mit einer Gruppe einmal den Kontakt zu Pferden aufnehmen möchte, sei in Häven willkommen.